'Hier stehe ich!'
Luther in Worms : Ereignis, mediale Inszenierung, Mythos
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Author
Publication
2021 - Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart, Germany
Language
German
Word Count
43,500 words, Guess
Page Count
174 pages
Identifiers
- ISBN-103777221015
- ISBN-139783777221014
- OCLC Control Number1240241643
- Open LibraryOL43844744M
Classifications
- DDC940.2
- LCCBR353 .K384 2021
Description
Der Luther-Moment ? unter der Lupe ?Hier stehe ich, ich kann nicht anders ? Gott helfe mir Amen!? Bekennermut vor dem Kaiser, der den Erfolg der ganzen Reformation besiegelte, das ist wohl der Luthermythos überhaupt, der folgenreichste, der entscheidende Gründungsmythos protestantischer Identität. Aber eben doch ein Mythos: Denn Luther hat das 1521 auf dem Reichstag in Worms als Abschluss seiner Rede nicht gesagt, jedenfalls nicht so. Was hat er überhaupt genau gesagt, was hat er gemeint, ab wann und von wem wurde die pathetische Formel medial so weit verbreitet? Thomas Kaufmann nimmt in einem virtuosen, ebenso mikrogeschichtlich detailverliebten wie weitgespannten Essay diesen für die deutsche Geistesgeschichte enorm prägenden Mythos auseinander und legt dessen historischen Kern erstmals richtig frei. Die Szenerie des Wormser Reichstags mit ihrer personellen und machtpolitischen Ausgangskonstellationen wird ebenso anschaulich aufgerufen wie Luthers lange Reise von Wittenberg in die Stadt am Rhein, wo (so sah Luther das) Teufel soviele wie Dachziegel auf ihn lauerten. In der minutiösen Interpretation der Quellen zu Luthers Erscheinen auf dem Reichstag am 17. und 18. April erreicht Kaufmann eine unerhörte Dichte und Genauigkeit, die zu verblüffenden neuen Einsichten in den Ablauf der Ereignisse und Luthers emotionale Situation in den zwei entscheidenden Tagen und der Nacht dazwischen führt. Von da aus erschliesst Thomas Kaufmann die lange Geschichte der Wirkungen und Folgen von Luthers Schlussworten neu, der Zitationen und Berufungen auf den gefeierten ?Luther-Moment?, der in der Tat von Anfang an auf Wirkung und mythische Überhöhung hin ?gemacht? worden war. Das heroische Vorbild, die sich auf ihr Gewissen berufende, den Widerruf standhaft verweigernde Ikone Luther bot Widerständlern gegen das ?Dritte Reich?, US-amerikanischen Bürgerrechtlern, aber auch strammen Nationalisten, Kirchenführerinnen und -führern, Politikern oder moralisch aktivierten Christen- und Gewissensmenschen in NGOs unserer Tage eine Identifikationsfigur. Was wäre aber, wenn das Ich, das da stand und steht, unsicher und brüchig erschiene? Wenn zwar grosse Männer Geschichte machen, aber die Geschichte auch immer über sie hinaus und hinweg geht?
Subjects
Series Statement
- Zeitenspiegel Essay
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